Dabei ist „Slider“ nicht gleich „Slider“. Gemeint sind Bereiche, in denen mehrere Bilder oder Inhalte nacheinander erscheinen. Es macht aber einen großen Unterschied, wofür sie eingesetzt werden:
- Der automatische Slider im Einstiegsbereich: Im großen Bildbereich ganz oben auf der Startseite, auch „Hero“ genannt, wechseln Werbebotschaften von selbst.
- Die Bildergalerie zum Durchblättern: Besucher sehen sich Fotos, Produktbilder oder Referenzen in ihrem eigenen Tempo an.
Um Ersteres geht es in diesem Artikel vor allem. Die eigentliche Frage dahinter lautet: Welche Inhalte müssen gleichzeitig sichtbar sein, und welche dürfen nacheinander gezeigt werden?
1. Ein Slider ersetzt keine Prioritäten
Der Wunsch nach einem Slider entsteht meist aus einem guten Gedanken: Kunden sollen gleich auf den ersten Blick „alles“ sehen. Das Unternehmen bietet mehrere Leistungen an, es gibt eine aktuelle Aktion, ein neues Produkt und vielleicht noch eine Auszeichnung. Alles davon soll einen prominenten Platz bekommen. Wie weit das gehen kann, zeigt ein Beispiel aus unserer Praxis: Bei einem Kundenprojekt begegnete uns ein Slider mit mehr als 30 Folien.
In unseren Projekten erleben wir häufig, dass ein Slider die Frage offenlässt, welches Thema am wichtigsten ist. Jedes Angebot bekommt eine Folie. Die Frage bleibt aber: Was sollen Besucher zuerst verstehen? Diese Entscheidung sollte vor der Gestaltung fallen.
Eine Startseite sollte Besuchern helfen, schnell zu erkennen, ob sie hier richtig sind und wie es weitergeht. Dafür empfehlen wir eine klare Hauptaussage und einen erkennbaren nächsten Schritt, etwa „Leistungen ansehen“. Weitere Angebote bekommen anschließend eigene, gut auffindbare Bereiche.
2. Welche Probleme entstehen können
Wichtige Angebote bleiben zunächst verborgen
Wer bereits nach der ersten Folie weiterscrollt, sieht die folgenden Angebote nicht. Besucher müssen warten oder aktiv durchblättern, um sie zu entdecken. Bei der Planung sollten Sie nicht voraussetzen, dass Besucher alle Folien ansehen. Wichtige Angebote brauchen deshalb zusätzlich einen festen Platz auf der Seite.
Automatische Wechsel geben das Lesetempo vor
Wechselt eine Folie, bevor jemand den Text zu Ende gelesen hat, muss er zurückblättern oder auf die Wiederholung warten. Besonders bei umfangreichen Texten wird das zum Hindernis. Auch die Bedienung mit der Tastatur oder einem Vorleseprogramm muss berücksichtigt werden. Die Empfehlungen des W3C für zugängliche Slider (externer Link) sehen deshalb unter anderem eine Möglichkeit zum Anhalten und eine vollständige Tastaturbedienung vor.
Auf dem Smartphone wird es eng
Ein breites Bild mit Überschrift, Text und Schaltfläche lässt sich nicht einfach auf ein schmales Display verkleinern. Ohne eine passende mobile Gestaltung verdecken Texte das Motiv oder werden zu klein. Kleine Pfeile und Punkte erschweren außerdem das Weiterblättern. Gerade bei umfangreichen Folien ist deshalb eine eigene Gestaltung für Smartphones nötig, mit passenden Bildausschnitten, lesbaren Texten und gut erreichbaren Bedienelementen.
Zusätzlicher Aufwand für schnelle Ladezeiten
Mehrere große Bilder und aufwendige Effekte können die Website belasten. Es müssen aber nicht sämtliche Folien geladen sein, bevor die erste erscheint. Entscheidend ist, welche Inhalte wann geladen werden und wie groß die Dateien sind. Die technischen Empfehlungen von web.dev (externer Link) zeigen, worauf es dabei ankommt. Ein Slider ist also nicht automatisch langsam, erfordert aber eine sorgfältige Umsetzung.
3. Wann ein Slider sinnvoll sein kann
Wir halten eine Bilderfolge dann für sinnvoll, wenn sie einen konkreten Nutzen hat. Gute Fotos allein sind noch kein Grund für einen Slider.
Bildergalerien zum selbstständigen Durchblättern
Wer sich eine Ferienwohnung genauer ansehen möchte, braucht unterschiedliche Ansichten der Räume und Ausstattung. Eine Galerie bietet dafür einen nachvollziehbaren Nutzen. Besucher wählen selbst aus, welche Bilder sie ansehen und wie lange sie dabei bleiben. Wichtige Angaben sollten zusätzlich als normaler Text auf der Seite stehen.
Bilderfolgen, die Atmosphäre vermitteln
Bei emotionalen Themen kann auch im Einstiegsbereich eine Bilderfolge passen. Voraussetzung ist, dass die Motive unterschiedliche Eindrücke vermitteln und gemeinsam mehr erzählen als ein einzelnes Bild. Bei einem Hotel könnten Bilder vom Frühstück auf der Terrasse, vom Wellnessbereich und vom Blick in die Landschaft verschiedene Seiten eines Aufenthalts zeigen.
Wir empfehlen dann wenig Text, eine feste Überschrift und eine gleichbleibende Schaltfläche. So bleiben Angebot und nächster Schritt erkennbar, während sich die Bilder ändern. Ein automatischer Wechsel muss sich anhalten lassen. Bildausschnitte und Lesbarkeit prüfen wir auch auf dem Smartphone.
4. Welche Alternativen es gibt
Ein klarer Einstiegsbereich: Ein aussagekräftiges Bild, eine Überschrift, die in einem Satz sagt, was Sie anbieten und für wen, und ein bis zwei Schaltflächen für den nächsten Schritt. So ist die Hauptaussage direkt sichtbar und bleibt stehen, während Besucher sich orientieren.
Mehrere Angebote direkt sichtbar: Unter dem Einstiegsbereich lassen sich Ihre Leistungen nebeneinander zeigen, etwa als Kacheln mit Bild, kurzem Text und Link. Auf dem Smartphone stehen sie untereinander und sind mit einfachem Scrollen erreichbar. So bekommt jedes Angebot einen festen Platz, ohne dass Besucher auf einen Wechsel warten müssen.
Aktuelles an passender Stelle: Eine zeitlich begrenzte Aktion braucht keinen dauerhaften Platz im Slider. Ein schmaler Hinweis oberhalb des Einstiegsbereichs oder ein eigener Abschnitt auf der Startseite erfüllen den Zweck und lassen sich nach Ablauf wieder entfernen.
5. So entscheiden wir in Kundenprojekten
Wir empfehlen in den meisten Fällen, auf einen Slider im Einstiegsbereich zu verzichten. Nur in wenigen Fällen halten wir ihn für sinnvoll. Wünscht sich ein Kunde einen Slider, stellen wir zuerst eine andere Frage: Welche Inhalte müssen Besucher sofort sehen, und welche dürfen sie nacheinander entdecken?
Dafür klären wir gemeinsam:
- Was ist das wichtigste Angebot oder die wichtigste Botschaft?
- Welchen nächsten Schritt sollen Besucher von der Startseite aus gehen?
- Welche weiteren Angebote brauchen einen festen, sichtbaren Platz?
- Erzählen mehrere starke Motive gemeinsam mehr als ein einzelnes Bild?
Für die meisten unserer Unternehmenswebsites bevorzugen wir einen klaren Einstiegsbereich mit weiteren Angeboten darunter. Besucher erhalten eine erste Orientierung und entscheiden anschließend selbst, welches Thema sie vertiefen möchten.
Einen Slider setzen wir für Galerien ein, die Besucher selbst durchblättern. Im Einstiegsbereich kommt er für uns nur infrage, wenn die Bilder wie im Hotel-Beispiel unterschiedliche Eindrücke vermitteln. Dann richten wir ihn so ein, dass er auch auf dem Smartphone gut funktioniert und niemand gegen die Zeit lesen muss.
Sie überlegen, ob ein Slider zu Ihrer Website passt, oder möchten Ihre Startseite überarbeiten? Wir besprechen mit Ihnen, welche Inhalte sofort sichtbar sein sollten und wie Ihre Angebote am besten zur Geltung kommen.
